rendsburg – Können homosexuelle Paare künftig auch in Mecklenburg-Vorpommern den Segen der Kirche bekommen? Diese Frage wird derzeit unter den künftigen Partnern der Nordkirche nicht nur hinter verschlossenen Türen kontrovers diskutiert.
Während die Segnungen in der Nordelbischen Kirche seit vielen Jahren gängige Praxis sind, hatte der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit vergangene Woche betont, er lehne eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften weiterhin ab. Sie entspreche „nicht dem Leitbild der christlichen Kirche“.
Zudem gebe es auch in Nordelbien keine gesetzlichen Festlegungen, sondern lediglich eine Handreichung zum Thema. Derzufolge könne sich ein Kirchenkreis „durchaus entscheiden, keine Segnungen vorzunehmen. Niemand wird gezwungen, etwas zu tun, was er vor seinem Gewissen nicht verantworten kann“, so Abromeit.
Ausschließen will eine solche Einzelfall-Lösung auch Nordelbiens Synodenpräsident Hans-Peter Strenge nicht: Bischof Abromeit beschreibe die nordelbische Beschlusslage durchaus zutreffend, sagte Strenge. Grundsätzlich würden diese Fragen jedoch nach Gründung der Nordkirche von der Landes-Synode entschieden. Einzelfall-Lösungen seien dabei zwar möglich, „zweierlei Maß“ werde es in der Evangelischen Kirche in Norddeutschland allerdings nicht geben“, betonte Strenge. Einigkeit besteht zwischen den künftigen Partnern hingegen darüber, dass die Frage kein Hindernis für die Nordkirche sein könne: „Ein Stolperstein ist die Frage von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare und der Ordination von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung nicht“, so der Synodenpräsident.
Bischof Abromeit sieht darüber hinaus keinen grundsätzlichen Regelungsbedarf: „Wenn ich zugrunde lege, dass ich in den vergangenen acht Jahren überhaupt nur ein konkretes Gespräch dazu geführt habe, muss ich feststellen, dass es sich bei diesen Fragen um ein Detailproblem handelt“, so der pommersche Bischof. Er halte es daher „für unangemessen, zu prinzipiellen Regelungen kommen zu wollen“.
Der Landesverband der Lesben und Schwulen in Mecklenburg-Vorpommern kritisierte Abromeits Aussagen unterdessen als „weltfremd“. Rund ein Drittel der Mitglieder seines Verbandes gehöre der evangelischen Kirche an, sagte Geschäftsführer Roy Rietentidt. Da es für Homosexuelle die gesetzliche Möglichkeit gebe, in einer eingetragenen Partnerschaft zu leben, würden sich viele auch eine kirchliche Segnung wünschen.
Der nordelbische Bischof Gerhard Ulrich hatte erst kürzlich vor der Synode seiner Landeskirche betont, dass es in der Frage der Segnung homosexueller Partnerschaften „ein fusionsbedingtes Zurück“ hinter die in Nordelbien erreichte Beschlusslage und Praxis mit ihm nicht geben werde.