KIEL – Hektik, Stress und eilige Termine bestimmen heute unseren Alltag. Das belastet viele Menschen. Und sie suchen nach Auswegen und Entspannung. Stille, Ruhe und Besinnlichkeit werden als erstrebenswert genannt. Auch Menschen, die sonst nicht in die Kirche gehen, suchen, das ist festzustellen, in der Mittagspause oder nach Feierabend die Stille der Kirche. Bisweilen sind auch extra ‘Räume der Stille’ in Kirchen und Kapellen eingerichtet. Die „Evangelische Zeitung“ fragte nach Gedanken beim stillen Gebet.
„Ich denke beim stillen Gebet an Freunde und an meine Familie“, sagt Max Mende: „Oder auch daran, wie der letzte Tag so verlaufen ist. Das ist unterschiedlich. Und ich denke auch an Gott.“
Gereon Schmitz erzählt: „Ich gehe ja aus einem konkretem Grund zum Beten. Also denke ich an die Probleme, bei deren Lösung Gott mir helfen soll. Oder ich danke für Gutes, das ich erfahren habe.“
Gesche Neubauer meint: „Das ist je nach Gemütslage anders. Mir ist die Möglichkeit zum Gebet sehr wichtig. Es ist gut, beim stillen Gebet Zeit für sich zu haben. Und wir gehen auf Raddtouren in jede offene Kirche, um dort Ruhe zu finden. Außerdem genieße ich es, in fremden Kirchen die Atmosphäre aufzunehmen.“
Christian Klähn sagt: „Das ist ganz unterschiedlich. Ich denke dabei an Themen, die mich gerade beschäftigen. Etwa an meine Klausur am nächsten Tag oder die Erdbebenopfer in Haiti. Und ich danke Gott, dass es mir und meiner Familie gut geht.“
Oliver Tetzel erklärt: „Ich lasse den Tag Revue passieren. Außerdem kommen mir dann manchmal Verstorbene aus der Familie oder dem Freundeskreis in den Sinn. In anderen Städten gehe ich gerne in Kirchen, um dort Stille und Ruhe zu suchen, denn das heutige Leben ist oft ausgesprochen hektisch.“
Elfgard Scheidberger sagt: „Ich denke an Gott. Oh, wie er mir Kraft gibt und mir durch den Alltag hilft! Manchmal bitte ich um Linderung für dieses oder jenes Wehwehchen.“
Bruno Lorenzen meint: „An Gott denke ich. Woran denn sonst? Das ist doch der Sinn eines Gebetes, oder?“
Ole Munk-Jensen denkt nach: „Mensch, das kann ich so nicht sagen. Ich bete ein Vaterunser. Oder es geht um Segen für eine bestimmte Sache: Dass meine Kinder heil an ihrem Urlaubsort ankommen, oder so etwas.“
Patric Nowack kritisiert: „Eigentlich finde ich es doof, dass danach gefragt wird. Das ist doch meine ganz persönliche Angelegenheit. Wenn ich still bete, erbitte ich Beistand von Gott. Sonst würde ich ja nicht beten. Daran denke ich dann.“
Stefanie Mende erzählt: „Na ja, meistens, wie der vergangene Tag war. Dass es morgend vielleicht besser wird. Und dass der liebe Gott meine Mama und meine Familie schützen soll. Bei Problemen denke ich an Lösungen und Auswege.“
Jutta Storey erläutert: „Ich bin Laienpastorin in Kanada. Das stille Gebet bedeutet mir sehr viel. Gott kennt unsere Gebete schon, bevor wir sie ausgesprochen haben. Das Gebet ist ein Zwiegespräch mit einem Freund, und dieser Freund ist Gott. Oder ich denke an den vorherigen Gottesdienst; was davon übrig bleibt für mich und die Gemeinde.“
Eusebia Diaz-Fenges sagt: „Gott ist mein Ansprechpartner. Ich spreche still mit ihm und denke an ihn. Na klar!“
André Lückes meint: „Das ist verschieden. Schwierigkeiten, die ich vom Hals haben will, sind sozusagen mein Gebetsthema. Die bestimmen mein Gebet und meine Gedanken.“
Bärbel Kellermann zögert: „Das ist aber ganz privat. Ich bete für meine kranke Mutter. Mein Denken kreist darum, ob sie geheilt werden kann.“
Johanna Hoyer resümiert: „Jedes Gebet ist eine individuelle, ja intime Sache. Die Vergangenheit, meine Zukunft, Freunde, Familie, Tote und viele andere Dinge kommen mir in den Kopf. Ich rufe Gott an, weil ich bei einer Sache Hilfe erbitte. An diese Sache denke ich bei meinem stillen Gebet.“