• 29. Juli 2010
  • Ausgabe 30/2010
  • von Simone Viere

Gemeinde steht zu ihrem Pastor

Bünsdorf – Dass ihr Pastor Kinder sexuell missbraucht haben könnte, können und wollen viele der Bünsdorfer Gemeindemitglieder nicht glauben. Der Einladung zur außerordentlichen Gemeindeversammlung waren rund 120 Menschen gefolgt. Grund für die Versammlung war der jüngst bekannt gewordene Verdacht gegen Gemeindepastor Thies F. Ihm wird sexueller Missbrauch im privaten Umfeld vorgeworfen. Die Vergehen sollen sich vor mehr als elf Jahren abgespielt haben, als Thies F. Gemeindepastor in Hamburg-Rahlstedt war.

Propst Söncke Funck, Anja Fedder vom Kirchenvorstand und der Moderator des Abends, Pastor Dietrich Waack, machten noch einmal deutlich, dass die Suspendierung des Pastors aus Bünsdorf eine reine Vorsichts- und Schutzmaßnahme gewesen sei. „Die Suspendierung ist keine Vorwegnahme einer Verurteilung“, so Propst Funck. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Ein Thema auf der Versammlung war die Frage, wie es weitergehen soll im kirchlichen Gemeindeleben, in den Gruppen, mit den Konfirmanden. „Wie können wir helfen?“ fragte ein Gemeindemitglied. Anja Fedder und Propst Funcke arbeiten an einer raschen Vertretungsregelung. Der Kirchenvorstand trifft sich von nun an wöchentlich, um sich um das Fortbestehen der Gruppen und des Gemeindelebens zu kümmern.

Karl Schröder, ehemaliger Vorsitzender des Kirchenvorstands, trieb eine andere Frage um. Er war am Einstellungsverfahren von Thies F. vor elf Jahren direkt beteiligt und fragte: „Waren die Vorwürfe damals schon in Hamburg bekannt?“ Dies wurde klar verneint. „Es hat keinerlei Vorwürfe gegeben“, so Kirsten Voß, die als Ansprechpartnerin vom Nordelbischen Kirchenamt an der Versammlung teilnahm.

Thomas Berger wollte wissen, ob und wie der Pastor rehabilitiert werden kann. Er hielt das Buch „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ in die Runde, welches seine Kinder gerade in der Schule lesen. Die Erzählung beschreibt, wie eine bisher unbescholtene Frau wegen ihrer Freundschaft zu einem Straftäter Gegenstand der Boulevardpresse wird. Berger drückte seine Sorge darüber aus, dass es eine Vorverurteilung von außen und besonders durch die Medien gebe. Zudem sorgen sich viele Gemeindemitglieder um die Familie F. und deren „Leben im Exil“.

Propst Funck sagte dazu: „Es ist richtig, Familie F. ist nicht hier. Das dient ihrem Schutz.“ Es gebe ein hohes mediales Interesse, besonders auch an den Kindern und der Familie des Pastors. Das Pas-torat sei eine öffentlich bekannte Adresse in exponierter Lage. „Es ist eine Art Exil, aber ein Exil als Schutz, ein sicherer Ort“, so Funck.

Viele der Gemeindemitglieder schrieben am Ende der Versammlung ihre guten Wünsche für die Familie und den Pastor auf ein großes Blatt Papier. „Ihr ward für uns da, jetzt sind wir für euch da“, steht dort unter anderem. Diejenigen, die sich am Abend der außerordentlichen Gemeindeversammlung geäußert haben, glauben an die Unschuld ihres Pastors.